Nein sagen dürfen | SelbstsicherLive

Nein sagen dürfen | #SelbstsicherLive.08

Wie Du dich höflich, selbstsicher und bestimmt vorm ausgenutzt werden schützt – Live-Aufzeichnung

Traust Du Dich immer Nein zu sagen? Ich meine, es ist doch unhöflich, oder? Sollten wir nicht stets anderen zur Hilfe eilen, wenn die sie brauchen? Nein sagen tabu?

#SelbstsicherLive findet immer sonntags um 18:15 Uhr live mit Michael Moesslang zu unterschiedlichen Themen rund um Selbstsicherheit, Persönlichkeit, Erfolg und Zufriedenheit auf Facebook statt! Dort kannst Du Deine Fragen, Anregungen und Themenwünsche stellen. Die Aufzeichnung lade ich jeweils hier auf den Blog hoch.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Bist Du beliebter, wenn Du stets Ja sagst? Für andere da bist? Gehört sich das so? Gefälligkeiten, Unterstützung, Hilfe?

Oder geht es mehr darum, dass Du nicht als faul, unfreundlich, unkollegial, wenig hilfsbereit und nicht teamfähig gelten willst?

Aniyo, Maioua, Ni, Thưa không, Neyn, Cha, Lay oder Daabí*?

Nein – 4 Buchstaben, die ab und zu schwer fallen oder bei manchen sogar ziemlich häufig.

 

Der Ober den Unter

Früher war es einfach: Die oben befehlen, die unten machen. Der Kunde sagt’s dem Mitarbeiter. Der Chef dem Manager, der dem Projektleiter, der dem Mitarbeiter und der dem Praktikant. Der Mann der Frau (ja, so war das früher oft!). Die Oma der Mama und die der Tochter. Der Ältere dem Jüngeren. Die große Schwester der kleinen. Der Stärkere dem Schwächeren. Der Frechere dem Unsicheren. Nein sagen war nicht angebracht.

 

Frauen stets zu Diensten

Keineswegs klischeehaft, sondern immer mal wieder typisch: Eine Besprechung mehrer Mitarbeiter beider Geschlechter. Die Frage steht im Raum, wer sich um die Getränke kümmert. Oder ums Protokollschreiben. Oder um die Raumreservierung fürs nächste Meeting. Und wer meldet sich als erstes? Eine Frau. Meistens. Nett, hilfsbereit und höflich wie immer. Das ist ja in Ordnung, wenn es sich die Waage hält. Doch wenn Du als Frau stets Deine Dienste anbietest, wirst Du auch als Dienstleister – wenn nicht sogar -magd – angesehen. Achso: ich habe jetzt absichtlich übertrieben, damit das klar ist!

 

Immer diese Ja-Sager

Doch wie denkst Du selbst über Ja-Sager? Stets freundlich und hilfsbereit, doch was fehlt ist Rückgrat? Buckeln für Nette. Machen Ihre eigenen Aufgaben nicht, weil sie stets bemüht sind, anderen in den A…llerwertesten zu kriechen?

Nein, so schlimm muss es nicht gleich sein. Wobei ich selbst das oft genug gehört habe. Manche denken eben genau so.

 

Es zieht Kreise

Die Wirkung auf das Image der Ja-Sager geht sogar noch viel weiter, strahlt in andere Bereiche: sie scheinen überhaupt nicht fähig und kompetent genug, sind scheinbar schon mit den eigenen Aufgaben gänzlich überfordert (weil sie ja die anderer gemacht haben). Sie können sich nicht durchsetzen. So werden sie abhängig von der Meinung und Führung anderer.

Der Respekt vor Ja-Sagern schwindet.

 

Appell an unsere Hilfsbereitschaft

Ja-Sager ziehen ungeliebte Aufgaben immer wieder an, wie das Licht die Motten. Sie werden immer mehr ausgenutzt und überlasten sich automatisch selbst.

Besonders gemein ist es, wenn sie von anderen noch mit Komplimenten umgarnt werden, nur um gleich danach um einen „kleinen Gefallen“ gebeten zu werden. Wer kann da schon Nein sagen?

 

Die Ursachen

  • Anderen zu helfen ist empathisch und festigt die Beziehung wird aber oft zu einem ausgewachsenem Helfersymdrom – bis hin zur Selbstaufopferung
  • Die Angst vor Ablehnung und Liebesentzug, die auf unbewusster ebene dramatisiert wird (das habe ich hier ausführlich beschrieben)
  • Die Angst egoistisch zu wirken – so sind wir schließlich erzogen worden: Mach Dich nicht wichtig, stell dich nicht in den Mittelpunkt …
  • Die Angst vor Konsequenzen – im Job aber auch in einer Beziehung
  • Die Angst den anderen zu verletzen oder zu blamieren – schließlich sind wir emphatisch genug, um uns vorstellen zu können, wie sich eine Abfuhr anfühlt
  • Ein niedriger Selbstwert, der uns fühlen lässt, wir müssten anderen dienen, da diese mehr wert sind (siehe oben: Der Ober den Unter …)
  • Die Unsicherheit nicht zu wissen, ob Du es darfst, wie es geht und wie der andere reagieren könnte …

 

Gründe Nein zu sagen

  • Der wichtigste ist so kurz wie ein Nein, nämlich 4 Buchstaben: Zeit!
  • Selbstschutz vor Überforderung, Überlastung und um die eigene Arbeit zu schaffen bzw. den Kopf frei zu bekommen
  • Zu zeigen, dass man nicht der Dienstbote anderer ist:

 

Everybody’s Darling is everybody’s Depp.

 

Franz-Josef Strauß

 

Wie Nein sagen

  • Gib Dir die Erlaubnis – nutze alle Selbstwert- und Selbstsicherheitstechniken
  • Bleibe stets höflich, wertschätzend und freundlich, damit fährst Du immer gut
  • Rechtfertige oder entschuldige Dich nicht: Sie mir nicht böse, tut mir leid, entschuldige … – kurzes Begründen ist jedoch erlaubt
  • Rede nicht um den heißen Brei
  • Sag es direkt und im Klartext: nicht vage, weiblich Kommunikation mit einem Mann oder mit Hintertürchen …
  • Sag einfach nur „Nein“ und lächle dazu freundlich aber nicht zynisch
  • Vertröste: Mache ich gerne, komme aber erst übermorgen dazu; Gerne, fragst mich bitte Montag nochmal, dann habe ich Zeit für Dich
  • „Ich muss mal schauen, ob ich das unterbringe. Ich rufe Sie in einer Stunde an.“ Dann rufst Du genau nach einer Stunde an und sagst, dass es nicht geht
  • Biete eine Alternative: frag doch Laura, schau doch in die Hilfe …
  • Denke kurz nach und sage dann Nein: äh … nein! Da muss ich nachdenken – ach nein, geht leider nicht …
  • Sag einfach: Meine Zeit ist leider schon verplant
  • Die Aufgabe loben: Interessante Aufgabe, leider geht es jetzt nicht …
  • Den Bittsteller loben: Ich bin mir sicher, das bekommst Du selbst hin – wenn nicht …
  • „Oh, das tut mir jetzt leid für Sie.“ Wichtig ist hier das „für Sie.“
  • „Sie sind gerade voll im Stress, stimmt’s? Ich auch!“
  • Die totale Ablehnung: Das mache ich grundsätzlich nicht, das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren …
  • Achte dabei stets auf die richtige Körpersprache: freundlich durch Lächeln und gleichzeitig bestimmt (statt unsicher) durch aufrechte Haltung und Blickkontakt

 

Selbst Hilfe erbitten

Natürlich solltest auch Du ab und zu die Hilfe anderer erbitten. Damit es ausgeglichen ist und Du selbstsicher Augenhöhe demonstrierst. Vor allem natürlich von denen, die Dich gerne fragen.

* Die Neins sind übrigens aus folgenden Sprachen: koreanisch, thailändisch, ukrainisch, vietnamesisch, jiddisch, Zulu-Sprache, arabisch, ghanesisch. Mehr davon hier.

herzlich Dein Michael

 

 

 

Hier alle #SelbstsicherLive

 

>