Peinlichkeit, Scham & Co.

Peinlichkeit, Scham & Co.

Warum Peinlichkeit und Scham unser ganzes Leben steuern und verunsichern

Vorneweg gesagt: vieles von dem, worum es in diesem Artikel geht passiert unbewusst. Manches würdest Du sogar bewusst bestreiten und doch passiert es. Du richtest Dein Verhalten auch danach aus, was peinlich werden könnte. Du verzichtest so auf vieles in Deinem Leben, was Dir Spaß machen oder Erfolg bringen würde.

Peinlichkeit, Scham & Co.

Der Ton wird ab Minute 3 besser.

 

In diesem Video erfährst Du

  • was steckt hinter der Macht von Peinlichkeit?
  • wie reagieren wir und was wäre besser?
  • wie wir verhindern, dass uns die Angst davor ausbremst

Dieser Artikel ist eine Essenz aus dem obigen Video. Den kompletten Live-Video kannst Du Dir oben ansehen.

 

Was hast Du durch die Angst vor Peinlichkeit aufgegeben?

Überlege kurz, was in Deinem Leben hast Du nicht getan, obwohl es Dich glücklich gemacht hätte. Du wärst dadurch erfolgreicher geworden, hättest eine schöne Zeit gehabt, Spaß gehabt … was immer es ist.

Doch Du hast es nicht getan. Du hast den Menschen nicht angesprochen, obwohl Du schon die heissesten Phantasien hattest. Du bist nicht in die Offensive gegangen als Deine Kollegin etwas durchgesetzt hat, obwohl Du wusstest, dass ist keine gute Idee von ihr. Du hast nicht den Chef nach mehr Gehalt gefragt, obwohl Du der Meinung bist, dass es Dir zusteht und Dir dadurch eine schönere Wohnung hättest leisten können. Du hast nicht hier gerufen, als Dein Chef gefragt hat, wer die Präsentation bei Kunden XY machen will. Nun hat Deine Kollegin nicht nur die Lorbeeren geerntet, sie ist sogar befördert worden.

Manchmal sind es auch nur die klitzekleinen Dinge das Alltags. Jemand reisst die Fenster auf um zu Lüften, Du frierst total und bist eh schon leicht erkältet. Aber Du sagst nichts, weil Du denkst, es steht Dir nicht zu. Ach nein, Du sagst Dir natürlich, es sei nicht so wichtig.

Und dann gibt es diese kleinen Momente der Peinlichkeit, in denen Du etwas sagst oder tust und dann rot wirst.

Mehr dazu in der Nie mehr rot werden-Challenge ab 11. Oktober 2017.

All das muss nicht sein, wenn Du diese Ängste nicht hättest.

 

Ach wie peinlich!

Du hast den Traummann nicht angesprochen, weil Du Angst hattest rot zu werden. Oder gar einen Korb zu bekommen.

Wie peinlich!

Du hast der Kollegin nichts gesagt, weil vielleicht hat sie ja doch Recht und Du Unrecht. Oder Du könntest Dich vielleicht nicht durchsetzen.

Wie peinlich!

Du bist nicht zum Chef gegangen, weil er Dich für Deinen berechtigten Wunsch auslachen könnte!

Wie peinlich!

Du hast nicht präsentiert, weil die Zuhörer Dich vermutlich mit Tomaten beworfen hätten.

Wie peinlich!

Und das Fenster? Naja, wäre es trotz Deiner Bitte offen geblieben, wärst Du ja als Verliererin dagestanden!

Wie peinlich!

Menschen machen sich total lächerlich auf dem Oktoberfest, im Karneval oder im Fußballstadion. Aber in allen anderen Situationen darf es nicht das kleinste Bisschen sein.

Merkst Du was?

 

Peinlichkeit ist Ablehnung

Warum ist Peinlichkeit angeblich so schlimm? Warum sind solche Momente peinlich, obwohl sie es gar nicht sind? Warum treibt uns diese Macht der Peinlichkeit so stark an, dass wir lieber nicht mit dem Chef reden als ein viel besseres Leben zu führen?

Oder einen Traummann, eine Traumfrau ansprechen: Wenn Du ihn/sie nicht ansprichst, wirst Du ihn/sie nicht bekommen. Immer verloren.

Wenn Du ihn/sie ansprichst hast Du eine kleine Chance ihn/oder sie zu bekommen. Und eine kleine Chance einen blöden Kommentar zu bekommen – von jemanden, den Du vielleicht nie wieder siehst. In den meisten Fällen wird er/sie nett ablehnen und es ist der Status von vorher. Nichts gewonnen aber auch nichts verloren.

Sind wir wirklich so dämlich, dass wir wegen dem bisschen Peinlichkeit die Chancen unseres Lebens vorbei ziehen lassen.

Natürlich erklären wir uns hinterher ganz genau, warum er/sie nicht gepasst hätte und warum der Chef sowieso Nein gesagt hätte. Obwohl wir es nicht einmal probiert haben.

Der Grund für die starke Macht von Peinlichkeit, Scham und Blamage ist, dass wir Angst vor Zurückweisung haben. Etwas peinliches zu tun setzen wir gleich mit einen Fehler machen. Und wer einen Fehler macht wird nicht mehr geliebt, wird ausgestossen. Zumindest ist das die gar nicht logische Logik-Kette, die unser Unterbewusstsein so gebaut hat.

Ausgestossen zu werden war früher der relativ sichere Tod. Kein Platz mehr in der sicheren Höhle oder Hütte, keine Unterstützung mehr bei Nahrungsbeschaffung oder Krankheit, kein gemeinsamer Schutz mehr vor Feinden und Fressfeinden usw.

Aus. Ende. Vorbei.

Diese Angst davor ausgestossen zu werden sitzt tief und hält uns in ganz vielen Dingen zurück. Und hat vermutlich das Überleben der Menschheit gesichert.

Nur können wir heute auch so überleben.

 

Hinspüren statt wegrennen

Die Folge ist, dass wir vor diesen Situationen Reissaus nehmen. Wir vermeiden sie. Sogar noch mehr:

Wir haben sogar Angst vor der Angst.

Genau gesagt: wir schauen weg, wenn es auch nur sein könnte, dass unter Umständen es möglich wäre, dass vielleicht irgendwo etwas peinlich werden könnte. Und Anlass geben könnte uns zu schämen.

Oh Gott!

Wenn wir bewusst und logisch über diese Situationen nachdenken wissen wir: es kann uns nichts passieren. Außer einem Lacher oder eine ähnliche Kleinigkeit.

Nein, die Menschen werfen nicht mit Tomaten, wenn wir nicht perfekt präsentieren. Nein, sie sehen auch nicht wirklich, dass Du rot dabei wirst. Und wenn, dann finden sie es okay und haben Verständnis.

Statt davonzulaufen und wegzuschauen sollest Du das genau Gegenteil machen: Hinschauen und die Gefühle annehmen.

Annehmen bedeutet nicht gutheissen. Die Gefühle sind weiterhin unangenehme Gefühle. Doch wenn Du sie zu unterdrücken versuchst, verstärken sie sich. Druck erzeugt Gegendruck.

 

Wie kannst Du etwas Unangenehmes annehmen?

Stell Dir jetzt ein leicht unangenehmes Gefühl vor. Spüre es. Du merkst, wie es unangenehm ist und wie Du am liebsten wieder damit aufhören willst, richtig?

Okay, nun beschreibe Dir innerlich selbst das Gefühl. Wie ein Reporter. Oder besser noch wie ein Nachrichtensprecher, die machen das neutraler und emotionsloser. Nur beschreiben, nicht werten, nicht reinsteigern, nicht emotional. Nur beschrieben.

Merkst Du was? Die Kraft lässt nach. Du bist jetzt mehr in der Rolle des Beschreibenden und nicht und der Rolle des Fühlenden.

So nimmst Du es wahr und an ohne darunter zu leiden.

In den allermeisten Fällen wirst Du jetzt etwas erkennen: Das Gefühl ist klitzeklein. Es hat Überhaupt keine Kraft.

Du bist nur weggelaufen, weil Du weggelaufen bist, bevor Du gemerkt hast, wie klein es eigentlich ist.

Klar, vereinzelt gibt es auch stärkere Gefühle. Doch die sind die Ausnahme. Und auch bei denen kannst du den Reporter machen.

 

Übung macht Gewohnheit

Das solltest du jetzt üben. Zunächst Trockenübungen, also Du stellst Dir nur eine dieser Situationen vor. Und später in realen Situationen. Mach es durch Regelmässigkeit zu einer Gewohnheit, dass Du nicht mehr wegschaust und fliehst, sondern, dass Du achtsam hinschaust und -spürst, es Dir als Reporter beschreibst und es so annimmst.

In der Nie mehr rot werden-Challenge werden wir das Thema noch vertiefen, denn das ist eine der vier Lektionen. Bist Du schon angemeldet?

Die Challenge beginnt am 11. Oktober 2017 und läuft bis Sonntag, 15. Ein Einstieg ist kostenlos und auch später (bis Sonntag) möglich.

Herzlich
Michael

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